01/07/2025

Aufwertung des Steinmetzhandwerks

Focus GroupSienaSteinmetze

Focus Group in Siena

Die italienischen Partner des Netzwerks der Steinmetze – einschließlich der kürzlich beigetretenen Organisationen – haben am 30. Juni in Siena ein Focus Group organisiert. Ziel war es, einen offenen Austausch über die Zukunft des Steinmetzberufs anzustoßen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien auszuloten. Im Mittelpunkt stand der direkte Dialog mit Fachleuten aus dem Bereich der Steinbearbeitung: Steinmetz:innen, Bildhauer:innen, Vertreter:innen von Fachverbänden und regionalen Organisationen. Der Austausch konzentrierte sich auf drei zentrale Fragen:

1. Was genau macht ein Steinmetz?
Die Teilnehmenden wurden gebeten, ihren Beruf konkret zu beschreiben – auch durch kurze praktische Vorführungen. Ziel war es, einen Eindruck von der Tätigkeit, den verwendeten Werkzeugen, Techniken und Arbeitsergebnissen zu vermitteln.

2. Besteht ein eigenständiger Markt für das traditionelle Steinmetzhandwerk, der sich klar von anderen steinverarbeitenden Berufen abgrenzen lässt?
Diese Frage soll durch eine vertiefte Analyse von Produkten, Märkten und Technologien beantwortet werden. Dabei gilt es zu prüfen, ob es Spezialisierungen auf bestimmte Steinsorten oder Endprodukte gibt, welche Tätigkeiten besonders wirtschaftlich sind und welchen Einfluss moderne Technologien, Maschinen und Geräte auf den Steinmetzberuf haben. Und lässt sich das handwerkliche Berufsfeld des Steinmetzes von künstlerischen Tätigkeiten (Bildhauerei) und maschinellen Steinbearbeitungsverfahren klar abgrenzen?

3. Was muss ein Steinmetz heutzutage wissen und können?
Um das Berufsbild einzugrenzen, ist es notwendig, ein Kompetenzprofil zu entwickeln – also eine Übersicht über die Kenntnisse und Fähigkeiten, die ein angehender Steinmetz mitbringen oder erlernen sollte. Welche Ausbildungswege, beruflichen Qualifizierungen und Lehrstellen bestehen derzeit und welche sollten gegebenenfalls neu geschaffen werden? Eine zentrale Frage dabei lautet: Wie kann die Aus- und Weiterbildung künftig verbessert werden, um den Anforderungen des Berufs gerecht zu werden?

Impulse des Focus Groups

Besonders spannend – aber auch herausfordernd – war der länderübergreifende Vergleich zwischen Deutschland und Italien. In Deutschland ist der Beruf des Steinmetzes staatlich anerkannt. In Italien hingegen wird dieser Handwerkberuf nur in Südtirol offiziell durch die Region anerkannt und durch spezifische Ausbildungsgänge in Zusammenarbeit mit Handwerksverbänden gefördert. In allen anderen italienischen Regionen fehlt eine formale Anerkennung sowie ein entsprechendes Ausbildungsangebot. Italien verfügt zweifellos über eine lebendige Steinbearbeitungsbranche: der Sektor ist vorhanden. Der Abbau von Naturstein und Marmor in Steinbrüchen, besonders in der Toskana, stellt einen bedeutenden Wirtschaftszweig dar. Auch die Erstverarbeitung von Stein zu Bauprodukten für Dächer, Straßen und Plätze ist wirtschaftlich relevant. Schwieriger ist es jedoch, die kleinteilige, handwerklich geprägte Steinbearbeitung sichtbar zu machen. Die handwerkliche Pflasterverlegung mit Naturstein befindet sich im deutlichen Rückgang – unter anderem weil lokale Handwerker kaum Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen haben. Der Bereich der Bildhauerei hingegen bleibt lebendig, auch dank des internationalen Marktes und der Integration neuer Technologien wie 3D-Scanner und Pantografen. Diese Technologien sind zwar inzwischen unverzichtbar, können jedoch die manuelle Arbeit nicht ersetzen.

Alle Teilnehmenden waren sich einig: Die zentrale Kompetenz des Steinmetzes ist das Wissen über den Stein – ein Wissen, das nur durch praktische Erfahrung und die Begleitung durch erfahrene Handwerker erlernt werden kann.

Während des Austauschs wurden ausschließlich Tätigkeiten des Steinmetzes im Bereich der Gestaltung von Grabsteinen und Gedenktafeln identifiziert. Dabei erinnert Aldo Regoli, Schriftsteller des Buches „Die Kunst der Steinbearbeitung“ eine Zeit, in der Steinmetze hochgeschätzte Fachkräfte waren – etwa bei der Restaurierung von gepflasterten Straßen und Plätzen. Noch heute wird diese Kunst beispielsweise bei der Pflege von Sandsteinpflaster oder bei der Herstellung von traditionellen Produkten wie Mörsern, Tränken, Brunnen, Mühlsteinen, Balustraden, Fensterelementen, Säulen, Portalen oder Fassadenverkleidungen praktiziert. Man könnte sagen: „Der Beruf des Steinmetzes existiert – ist aber kaum mehr sichtbar“. Jedenfalls nicht mehr wie früher.

Das Netzwerks versucht daher auch, diese Sichtbarkeit Schritt für Schritt wiederherzustellen und die gesellschaftliche Bedeutung des Steinmetzhandwerks neu zu verankern.