02/12/2025
Künstliche Intelligenz in der beruflichen Ausbildung
Präsentation von Prof. Dr. Gerholz
Am 11. November präsentierte Prof. Dr. Karl Heinz Gerholz im Rahmen des Netzwerktreffens der Augenoptiker spannende Einblicke zum Thema „Künstliche Intelligenz in der beruflichen Ausbildung“. Er zeigte, wie KI in der beruflichen Bildung eingesetzt werden kann, und stellte dabei vier zentrale Funktionen vor: die Unterstützung bei Recherche und Wissen, die Transformation von Informationen, Entscheidungsunterstützung sowie die Erstellung von Inhalten.
Auf Basis der Interviewstudie bei beruflichen Lehrkräften in Deutschland konnte gezeigt werden, dass aktuell 64 % der Lehrkräfte KI hauptsächlich zur Erstellung von Inhalten nutzen, während lediglich 2 % Chatbots als „Partner“ einsetzen, um Lernprozesse zu fördern. Dabei bietet KI großes Potenzial, Kreativität und kritisches Denken anzuregen und zugleich einem möglichen Kompetenzabbau entgegenzuwirken. Hierfür muss KI als Sparringspartner genutzt werden, unterstrich Prof. Dr. Gerholz, und nicht als Antwortmaschine.
Prof. Dr. Gerholz betonte, dass bei der Integration von KI in Ausbildungskontexte Lehrkräfte für den bewussten Einsatz der Technologien sensibilisiert werden müssen. Nur so können sie die Lernenden effektiv beim Aufbau kritischer Kompetenzen unterstützen und die von KI generierten Ergebnisse reflektiert bewerten.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Präsentation war der Einsatz von KI in handwerklichen Berufen und die damit verbundenen politischen Rahmenbedingungen. Das schnelle Wachstum von KI erfordert einerseits fundierte praktische Erfahrung im jeweiligen Berufsfeld, andererseits aber auch die Fähigkeit, digitale Prozesse kompetent zu steuern. Für Entscheidungsträger in Institutionen ist es daher notwendig, ihre Kenntnisse regelmäßig zu aktualisieren, um technologische Innovationen, deren Chancen und Risiken, realistisch einschätzen zu können.
Darüber hinaus ging Gerholz auf die besonderen Lerngewohnheiten der aktuellen Generation von Auszubildenden ein: kurze Aufmerksamkeitsspanne, hohe Technikaffinität, Vorliebe für kollaboratives Arbeiten sowie interaktive und ansprechende Lernformen. Vor diesem Hintergrund stellte er das Konzept des Microlearning vor, das auf kurzen, digital unterstützten Lerneinheiten basiert – eine Methode, die auch in technisch-handwerklichen Bereichen wie der Augenoptik eingesetzt werden kann.
Abschließend wurde die Nutzung von Mobiltelefonen in schulischen Kontexten diskutiert, ein Thema, das auch in Italien kontrovers diskutiert wird. Vier Ansätze wurden vorgestellt – von Laissez-faire über ein vollständiges Verbot bis hin zu Richtlinien, die von den Schüler:innen selbst entwickelt oder speziell auf den beruflich-unterrichtlichen Kontext zugeschnitten sind. Besonders die Student Generated Policies werden als wirkungsvoll angesehen, da sie Verantwortung und Bewusstsein bei den Lernenden fördern.
