05/05/2026
Berufsorientierung in Stuttgart
Die Studienreise in Deutschland
Im April kam das Netzwerk Berufsorientierung in Stuttgart zusammen, um das deutsche System der dualen Ausbildung und der Berufsorientierung näher kennenzulernen. Neben den Netzwerkpartnern wurden gezielt auch externe Gäste eingeladen. Die Reise war von Beginn an darauf ausgerichtet, weitere Akteure der Berufsbildung und Berufsorientierung in Italien einzubeziehen – darunter Schulen, Unternehmen und Institutionen. Die italienische Delegation wurde durch Emanuel Piona, Head of Secretariat Education Training Employment der Region Lombardei, Camilla Servi (PTSCLAS), sowie durch die Schulleiter des ICTS Adda Ballini und des Istituto Guglielmo Oberdan (Alessandro Colombo und Giovanni Scolari) ergänzt.
Ziel der Studienreise war es, der Delegation best Practices der Berufsorientierung in Deutschland zu vermitteln, gemeinsam Bedarfe, Herausforderungen und potenzielle Kooperationsfelder zwischen der Region Lombardei und dem Land Baden-Württemberg zu identifizieren und den direkten Austausch zwischen Entscheidungsträger:innen der Bildungssysteme beider Länder zu fördern. Darüber hinaus sollten konkrete Ansatzpunkte für eine zukünftige Zusammenarbeit entwickelt werden – auch über das Projekt ConnActions hinaus und mit mittel- bis langfristiger Perspektive.
Das Programm begann am 27. April mit dem Empfang bei der Handwerk International Baden-Württemberg und Handwerk BW durch den Direktor Peter Friedrich sowie die Partner:innen des Netzwerks Berufsorientierung. Die Studienreise knüpfte damit an die bereits bestehende Zusammenarbeit zwischen den beiden Regionen an und unterstrich den gemeinsamen Wunsch, die Kooperation insbesondere im Bereich der dualen Ausbildung weiter auszubauen. Im Mittelpunkt standen dabei zentrale Herausforderungen beider Länder: die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte, die Berufsorientierung junger Menschen sowie die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften mit besonderem Fokus auf Internationalisierung. Diese Themen wurden auch während des Besuchs der Berufsschule Hoppenlauschule vertieft. Die italienischen Partner:innen hatten dort die Möglichkeit, Lehrkräfte kennenzulernen, Einblicke in deren Unterrichtsmethoden zu erhalten und praxisnahe Werkstätten – unter anderem in den Bereichen Bäckerei, Konditorei, Getreideverarbeitung sowie Kosmetik – zu besichtigen.
Der zweite Tag begann mit einem Besuch der Schule für Farbe und Gestaltung, bei dem die Delegation die beruflichen Ausbildungswege in den Bereichen Malerhandwerk, Lackierung und Fahrzeuglackierung praxisnah kennenlernen konnte. Im Anschluss fand eine Diskussionsrunde mit den Partner:innen des Netzwerks Berufsorientierung, institutionellen Gästen und der Schulleitung statt. Im Fokus standen aktuelle Herausforderungen wie Schulabsentismus, Ausbildungsabbrüche und die Frage, wie junge Menschen besser für berufliche Bildungswege gewonnen werden können. Am Nachmittag stand ein institutioneller Termin im Mittelpunkt: Beim Mittagessen mit Vertreter:innen des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg wurde die Delegation durch Beiträge von Dr. Thomas Hoffmann sowie Emanuel Piona begrüßt. Anschließend nahm die Gruppe an einer Sitzung des Landesausschusses für Berufsbildung im Ministerium teil. Die italienischen Partner:innen des Netzwerks Berufsorientierung stellten das italienische Bildungssystem vor und vertieften den Austausch zu gemeinsamen Herausforderungen. Sowohl Baden-Württemberg als auch die Lombardei sehen insbesondere in der Qualifizierung und Austausch von Lehrkräften und Ausbilder:innen, sowie in der Internationalisierung von Bildungswegen zentrale Handlungsfelder. Auf beiden Seiten wurde der Wunsch nach einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen den beiden Regionen auf direkter Ebene bekräftigt.
Am 29. April besuchte die Delegation die Bildungsakademie der Handwerkskammer Stuttgart, wo insbesondere die Rolle der Kammern im deutschen dualen System vertieft wurde. Ein besonderes Highlight war die Vorstellung einer innovativen Best Practice in der Berufsorientierung: ein interaktives „Escape Game“ zum Thema „Weltraum“, das die Motivation von Schülerinnen und Schülern fördert und gleichzeitig praxisnahe Einblicke in berufliche Perspektiven vermittelt. Den Abschluss bildete ein Unternehmensbesuch bei der Reckerth GmbH, bei dem die duale Ausbildung aus Sicht eines Betriebs beleuchtet wurde. Dabei tauschten sich die Partner des Netzwerks Berufsorientierung über Unterschiede zwischen den beiden Ländern sowie über Möglichkeiten zur Übertragung erfolgreicher Modelle aus.
Die italienische Delegation kehrte mit zahlreichen Impulsen und neuen Perspektiven nach Mailand zurück. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für die nächsten Schritte – sowohl im Hinblick auf den Abschluss des Projekts als auch für eine zukünftige Zusammenarbeit, idealerweise auch auf institutioneller Ebene über Juli 2026 hinaus.










